Gesamtkunstwerk in Architekturzeichnungen des 18. Jahrhunderts aus sächsischen und französischen Sammlungen
Heute, am 8. Mai 2026 wurde die Ausstellung »Barocke Planschätze in Zabeltitz« von Oberbürgermeister Dr. Sven Mißbach im Beisein des Sächsischen Landeskonservators Alf Furkert im Palais Zabeltitz feierlich eröffnet.
Der Barockgarten Zabeltitz mit Palais und Altem Schloss gehört zu den bedeutenden und gut erhaltenen Beispielen sächsischer Bau- und Gartenkunst. Hinsichtlich seiner geschichtlichen und künstlerischen Bedeutung ist er den Schlossanlagen Moritzburg und Großsedlitz ebenbürtig.
Die neue Ausstellung im Palais Zabeltitz beleuchtet die Geschichte und Entwicklung dieser einzigartigen Anlage. Erstmals wird ein außergewöhnlicher Bestand historischer Architekturzeichnungen präsentiert, der aus sächsischen und französischen Sammlungen zusammengeführt wurde und eindrucksvoll die glanzvolle Entwicklung der Zabeltitzer Anlage im 18. Jahrhundert zeigt.
Oberbürgermeister Dr. Sven Mißbach: »Die Ausstellung eröffnet den Besucherinnen und Besuchern einen frischen Blick auf die kreative Welt des sächsischen Barocks. Die Architektur und Kunstfertigkeit jener Epoche werden auf faszinierende Weise lebendig – in den Zeichnungen und vor Ort im Garten. Die Ausstellung belegt die hohe Verantwortung der Stadt Großenhain für den Erhalt dieses Erbes«
Die Wurzeln der Anlage reichen ins späte 16. Jahrhundert zurück, als Kurfürst Christian I. ein Jagdschloss errichten ließ. Über 100 Jahre später plante August der Starke eine umfassende Umgestaltung, die jedoch nie verwirklicht wurde. Anfang des 18. Jahrhunderts erhielt Zabeltitz seine prägende Gestalt: Nach der Schenkung an August Christoph Reichsgraf von Wackerbarth im Jahr 1728 modernisierte Oberlandbaumeister Johann Christoph Knöffel das Schloss und schuf in kurzer Zeit eine barocke Gartenanlage von beeindruckender Geschlossenheit, die bis heute weitgehend erhalten blieb. Spätere Erweiterungsplanungen unter Wackerbarths Adoptivsohn Joseph Anton Gabaleon von Wackerbarth-Salmour wurden dagegen nicht realisiert. Eine letzte Blütezeit erlebte Zabeltitz ab 1769, als Prinz Xaver, Enkel Augusts des Starken, den Landsitz übernahm. Von Frankreich aus initiierte er prachtvolle Umbauprojekte für das Palais und den Garten, den er nach seiner Rückkehr nach Sachsen teilweise im englischen Stil umgestalten ließ.
Alf Furkert, Sächsischer Landeskonservator dazu: »Ein einzigartiger Schatz an Zeichnungen zeigt fast lückenlos die bau- und gartenkünstlerische Entwicklung von Zabeltitz im 18. Jahrhundert. Die erstmals zusammen an einem Ort gezeigten Zeichnungen sind auch für die Erforschung der europäischen Gartenkunst des 18. Jahrhunderts bedeutend.«
Im Zentrum stehen 65 Architekturzeichnungen des 18. Jahrhunderts, die erstmals aus vier Sammlungen zusammengeführt wurden:
- der Plansammlung des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen,
- dem Privatarchiv des Prinzen Xaver in Troyes/Frankreich,
- dem Nationalarchiv Paris und
- dem Hauptstaatsarchiv Dresden.
Sie dokumentieren nicht nur die realisierten Bauprojekte von Palais, Altem Schloss und Gartenanlage, sondern auch zahlreiche nie umgesetzte Visionen, darunter die ambitionierten Entwürfe Augusts des Starken. Die Zeichnungen zeigen zudem die funktionale Infrastruktur der Gutsherrschaft: Wirtschaftsgebäuden, Gärtnerei, Gemüsegärten sowie Brennerei, Brauhaus, Orangerie und Konditorei. Auch die enge Verbindung zwischen Gutsherrschaft und Dorf wird sichtbar, etwa durch die Kirche St. Georgen, die als Begräbnisstätte Wackerbarths diente. Das gesellschaftliche Leben jener Zeit wird ebenfalls lebendig: Die Zeichnungen illustrieren Spiel- und Festanlagen im Lustgarten, darunter Schießbahn, Reitbahn, Ballspielanlagen und Kegelschub.